Wissenswertes über Vitamin D
Dr. med. Stefan Schilling über Vitamin D in der Geriatrie
Vitamin D spielt beim älteren Patienten eine besonders wichtige Rolle. So kann die Altershaut unter Sonneneinstrahlung deutlich weniger Vitamin D synthetisieren als jüngere Haut. Auch halten sich ältere Menschen seltener in der Sonne auf und sind dabei meist weitgehend bekleidet. Erst recht gilt dies für Bewohner von Altenheimen, die meist kaum noch ans Sonnenlicht kommen. Folglich sind die Vitamin-D-Spiegel bei älteren Patienten im Durchschnitt noch niedriger als in der Gesamtbevölkerung.
Wie man heute weiß, hat Vitamin D für die Funktionsfähigkeit des gesamten Halteapparats, also Nerven, Muskeln, Sehnen und Knochen, eine entscheidende Bedeutung. Entsprechend ist ein niedriger Vitamin-D-Spiegel im Alter nicht nur mit häufigeren Stürzen, sondern natürlich auch mit häufigeren Verletzungen und Knochenbrüchen verbunden. Hinzu kommt der Effekt des Vitamin D auf die Immunlage, die Tumorentstehung, das Herz-Kreislaufsystem und vieles andere mehr.
Die Erkenntnisse zur Wirkungsweise von Vitamin D haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen, doch bedauerlicherweise hat sich die enorme gesundheitlich Bedeutung noch nicht in der gesamten Ärzteschaft herumgesprochen. In der Geriatrischen Rehaklinik St. Irminen in Trier hat man auf Basis dieses neuen Wissens Konsequenzen gezogen. Man bezieht jetzt die Überprüfung des Vitamin-D-Status' und gegebenenfalls die Supplementierung in das Therapiekonzept mit ein.
Unsere im Schnitt über 80-jährigen Patienten kommen vor allem nach Frakturen, Arthroseoperationen mit Gelenkprothesen, Schlaganfällen und aus vielen weiteren Gründen zu uns. Durch intensive rehabilitative Maßnahmen versuchen wir, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern und ihnen ein möglichst selbstständiges Leben zu ermöglichen.
Um einen Überblick über die Versorgung mit Vitamin D zu bekommen, wurde in den letzten vier Monaten bei etwa 140 Patienten der 25-OH-Vitamin-D-Spiegel bestimmt. Das Ergebnis bestätigt die dramatisch schlechte Vitamin-D-Versorgung, wie sie von anderen Untersuchungen bereits berichtet wurde:
- Im Mittel lag der 25-OH-Vitamin-D-Spiegel bei nur 11,9 ng/ml (optimaler Zielbereich: 30 – 60 ng/ml). Und das mitten im bzw. zum Ende des Sommers!
- 42% aller Patienten hatten einen schweren Vitamin-D-Mangel mit Werten < 10 ng/ml. Weitere 53 % hatten einen leichten bis mäßigen Vitamin-D-Mangel mit Werten zwischen 10 – 30 ng/ml.
- Nur 5 % aller Patienten lagen mit ihrem Vitamin D im angestrebten Bereich: > 30 ng/ml. Der höchste Wert lag bei nur 45 ng/ml.
Zur Substitution verwenden wir in unserem Haus Dekristol 20.000 IE Kapseln. Die einfach einzunehmenden Kapseln sind für unsere älteren Patienten besser zu verwenden als das Tropfen mit z.B. Vigantol Öl.
Bei nachgewiesenem Mangel wird zunächst eine Aufsättigung über zehn Tage mit jeweils einer Kapsel Dekristol 20.000 IE durchgeführt, danach eine Erhaltungsdosis mit einer Kapsel Dekristol 20.000 IE jeweils zum Monatsersten. Dieses Regime lässt sich durch die Bindung an den Monatsbeginn gut merken und ist für ältere Menschen, die häufig weitere Medikamente regelmäßig einnehmen müssen, einfach zu bewerkstelligen. Es wird angeraten, Nachkontrollen des Vitamin-D-Spiegels jeweils zum Ende des Winters durchzuführen. Gegebenenfalls muss dann die Dosis angepasst bzw. noch einmal nachgesättigt werden.
Dieses Regime ist sehr preiswert: 50 Kapseln Dekristol 20.000 IE kosten derzeit 18,28 €; bei monatlicher Einnahme resultieren Jahrestherapiekosten von lediglich etwas über 4 €.
Bedauerlicherweise bezahlen sowohl gesetzliche als auch Privatkassen derzeit meist weder die Vitamin-D-Laborbestimmung, noch die Vitamin-D-Substitution. Dabei wäre die Vitamin-D-Gabe mit wenigen Euro pro Jahr wesentlich preiswerter als die teure „Reparatur“ der aus dem Mangel entstandenen Schäden.
Stand: 26.11.1009
Dr. med. Stefan Schilling
Facharzt für Innere Medizin / Geriatrie
Geriatrische Rehaklinik St. Irminen in Trier
Krahnenufer 19
54290 Trier
Vereinigte Hospitien