Heilkraft D – Das Buch

Kontrovers, pointiert und mit hohem wissenschaftlichen Anspruch

Unser Lebensstil ist riskant: Erst seit wenigen Generationen haben wir die Sonne aus unserem Leben verbannt. Büroarbeit, neonbeleuchtete Fitnesscenter, lange Autofahrten und Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor geben den Vitamin D bildenden Strahlen auf der Haut keine Chance. Unser Organismus hat damit nicht Schritt gehalten: Freiwillig nehmen wir so eine massive Vitamin-D-Unterversorgung in Kauf – mit dem Sonnenvitamin, das eigentlich ein Hormon ist, und das bei nahezu allen Körperfunktionen entscheidende Leistungen erbringt.

Radikal räumt Nicolai Worm mit überholten Dogmen auf: Maßvolles Sonnen schadet nicht, es nutzt der Gesundheit. Erstaunlich und gefährlich: Die Meinungsbildner der Ernährungswissenschaft haben diese fast epidemische Mangelversorgung verschlafen. Dabei geht es um praktisch alle Zivilisationskrankheiten. Im Zusammenhang mit Knochengesundheit, Muskelschwäche, Herz-Kreislauf-Problemen, Depression, Diabetes, Bluthochdruck bis hin zu Krebs finden sich überzeugende Studien, die an der erstaunlichen Wirkung eines guten Vitamin-D-Status keinen Zweifel mehr lassen. Nicolai Worm hat den wissenschaftlichen Stand der Erkenntnisse packend und fundiert zusammengefasst. Herausgekommen ist ein brisantes Werk, das zu unmittelbarem Umdenken und Handeln auffordert.

Dr. Nicolai Worm legt mit Heilkraft D ein weiteres Werk vor, das eingefahrene Wege der Gesundheitsforschung radikal verlässt. Dutzende top-aktuelle Studien zum Thema Vitamin D ließen für den Oecothrophologen keinen Zweifel: Wir stehen vor einem selbstverursachten Drama, das fast epidemische Risiken bei nahe zu allen Zivilisationskrankheiten bedingt.

Das Buch ist im systemed Verlag erschienen.

Autor

Dr. Nicolai Worm (München) ist Begründer der LOGI-Methode. Den traditionellen, aber gefährlichen kohlenhydratlastigen Ernährungsempfehlungen für unsere übergewichtige und bewegungsarm lebende Bevölkerung stellt er damit eine überzeugende Alternative gegenüber.

In der Fachwelt hat der kontroverse Ernährungswissenschaftler auch durch seine kritische Position in der Cholesterindiskussion und seine verschiedenen Lehrtätig­keiten Anerkennung erworben. Radio- und TV-Auftritte, unter anderem in seiner ARD-Sendereihe »Ernährungswissenschaft für den Hausgebrauch« – und besonders seine Bestseller – u. a. zur LOGI-Methode – machten den Ernährungs­wissen­schaft­ler einem breiten Publikum bekannt.

Seit Anfang 2009 ist Dr. Nicolai Worm auch Professor an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement.

Inhalt

Das Buch hat 23 Kapitel, die thematisch wie folgt geordnet sind:

  1. Verkanntes Risiko
  2. Kennzahl D
  3. Funktion D
  4. Die Sonne macht’s
  5. Vom Äquator zu den Polen
  6. D wie Drama
  7. Von Mutter zum Kind
  8. Harte Knochen
  9. Kräftige Muskeln
  10. Gute Nerven
  11. Sonnige Laune
  12. Starke Abwehr
  13. Gezügelter Zucker
  14. Gesunde Gefäße
  15. Heiles Herz und Hirn
  16. Gutartige Zellen
  17. Länger leben
  18. Umdenken angesagt
  19. Kuriose Ernährungsempfehlungen
  20. Heillose Hautkrebshysterie
  21. Künstliche Sonnen
  22. Kleine Helfer
  23. So wird’s gemacht

Leseprobe

Aus dem Vorwort

Es ist genau zehn Jahre her, dass ich ein Buch zum Thema Ernährungs- und Lebensstil und Zivilisationskrankheiten schrieb. (…..) Jedenfalls verfasste ich damals für dieses Buch ein Kapitel – das hieß und heißt immer noch „Wart’ nicht, bis es dunkel ist“.

Darin schrieb ich am Ende zusammenfassend: „… die Erforschung der Vitamin-D-Hypothese, so faszinierend sie auch sein mag, steckt immer noch in den Kinderschuhen. Bis wir Konkreteres wissen, sollten wir uns aber schon einmal darüber Gedanken machen, ob es sehr gesund sein kann, wenn wir den ganzen Tag in Bürobunkern hocken, um abends nach getaner Arbeit mit dem Lift zur Tiefgarage zu fahren und im geschlossenen, klimatisierten Auto mit Polaroidscheiben die Tiefgarage des Eigenheims oder des Fitnessclubs anzusteuern, wo wir entweder im Dunkeln drei Runden um den Block joggen oder bei greller Neonbeleuchtung auf dem Laufband traben. Bewegung soll ja bekanntlich gesundheitsförderlich sein – aber vielleicht sollten Sie damit nicht warten, bis es dunkel ist.“

Im Jahre 2009 steckt die Erforschung der Vitamin-D-These nicht mehr in den Kinderschuhen. Wir wissen heute viel mehr, und wir können viel sicherer präventiv und therapeutisch eingreifen. Das Thema ist in den letzten Jahren in der wissenschaftlichen Publizistik in erstaunlicher Geschwindigkeit in den Vordergrund gerückt. Die zahlreichen gesundheitlichen Vorteile durch ausreichende Sonnenbestrahlung und adäquate Vitamin-D-Versorgung sind nunmehr auf hohem Niveau dokumentiert. (…..)

Pflanzen ohne Licht gehen ein – Menschen auch! Das ist – kurz gefasst – das Resümee der Wissenschaft. Glaubte man bislang, dass die Bedeutung von Vitamin D nur in der Vorbeugung und Behandlung von Knochenerkrankungen und Tuberkulose läge, so weiß man inzwischen, dass es viel mehr kann als das. In den letzten Jahren (…..) sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse förmlich explodiert. Es sind Hunderte neuer Arbeiten erschienen. (…..) Immer mehr präventivmedizinische und therapeutisch wirksame Empfehlungen zur Vitamin-D-Versorgung lassen sich nun absichern. (…..) Ich hoffe, dass es mir gelungen ist, sie in eine Sprache zu verpacken, die auch für Laien verständlich ist. Denn es geht um praktisch alle „Zivilisationskrankheiten“. Von der unzureichenden Versorgung ist nahezu jeder betroffen. Da die Gesundheitspolitiker und Meinungsbildner in Sachen Ernährungswissenschaft diese Mangelversorgung epidemischen Ausmaßes bislang offenbar verschlafen, möchte ich die neuen Erkenntnisse mit diesem Buch einem breiten Publikum vermitteln und Wege zur persönlichen Prävention oder Behandlung aufzeigen.

München im Frühjahr 2009
Dr. Nicolai Worm

Kapitel 17: Länger leben

Letztlich sind Gesundheit und Krankheit Definitionssache. Für den Statistiker also eine schwer zu fassende Größe. Exakt hingegen, auch wenn es etwas zynisch klingt, ist der Tod. Ja oder nein. Leidenschaftslos stellt die medizinische Forschung in einer Vielzahl von Studien dazu fest: Wer einen höheren Vitamin-D-Status hat, weist eine geringere Wahrscheinlichkeit auf, vorzeitig zu sterben.

Länger leben

Jede gute Geschichte entwickelt sich langsam und führt in einem Spannungsbogen zu ihrem Höhepunkt. Hier kommt er! Sie erinnern sich – wir haben mit drögen Zahlen und Definitionen angefangen, kamen anschließend zu den biologischen und darauf zu den physiologischen Effekten von Vitamin D, um schließlich die gesundheitliche Bedeutung in Prävention und Therapie der häufigsten Zivilisationskrankheiten zu beleuchten. Aber jetzt geht es um Leben oder Tod!

Der Mensch entwickelt meist einen ungeheuren Überlebenstrieb, wenn es mit ihm bergab geht. Hauptsache leben! Egal wie! Das wird nicht auf alle zutreffen – vor allem nicht auf jene Menschen, die lange Zeit sehr leiden müssen, bevor sie der Tod erlöst. Aber vielen dürfte es weitgehend gleichgültig sein, ob sie an einem Herzinfarkt, einem Hirninfarkt oder einer Grippe sterben.

Was ist Ihr angestrebtes Ziel? Wollen Sie länger leben? Oder lieber auf ein paar Jährchen verzichten, aber immer gesund bleiben und zum Schluss ganz schnell ohne Qualen sterben? Oder ist es nicht doch Ihr Ziel, möglichst gesund und dennoch möglichst lange zu leben? Um diese Frage beantworten zu können, muss man sich erst einmal darüber klar werden, was eigentlich Gesundheit ist.

Bin ich gesund, wenn ich nicht krank bin? Beim Versuch, Gesundheit zu definieren, wird es rasch kompliziert. Das berühmte Sprichwort »Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts« hilft da nicht wirklich weiter. Das Wort gesund geht auf einen germanischen Ausdruck zurück, der ursprünglich stark oder kräftig bedeutete. Der römische Schriftsteller Juvenal trug diese bekannte Weisheit bei: »Mens sana in corpore sano« – dass also ein gesunder Geist in einem gesunden Körper wohnen möge – und erweiterte damit den Begriff Gesundheit schon früh über die körperlichen Gebrechen hinaus.

Eine umfassende Definition stammt von der WHO, der Weltgesundheitsorganisation. Im Jahre 1946 formulierte sie wie folgt: »Die Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen. Der Besitz des bestmöglichen Gesundheitszustandes bildet eines der Grundrechte jedes menschlichen Wesens, ohne Unterschied der Rasse, der Religion, der politischen Anschauung und der wirtschaftlichen oder sozialen Stellung.« Diese Definition hat bis heute Bestand.

Neben den körperlichen bestimmen also auch seelische Anteile die Gesundheit. Da spielen stark soziale Elemente hinein, wie Familie, Freundschaften, Stellung in der Gesellschaft und vieles mehr. Immer klarer wird, dass auch Umwelteinflüsse wie Luft und Lärm großen Anteil haben. Die moderne Sichtweise bezieht also in den Begriff Gesundheit nicht nur das Fehlen von Krankheit, sondern vielmehr ein Wohlbefinden in körperlicher, seelischer und sozialer Hinsicht ein.

In der Medizin hat man allerdings mit solch einer Definition erhebliche Probleme. Wie kann man die geistige oder seelische und vor allem die soziale Gesundheit objektiv messen? Sobald die Symptome sich körperlich niederschlagen, wird die Prüfung schon einfacher. Dann ist man sehr schnell wieder im Bereich der körperlichen Gebrechen.

Diese unüberbrückbaren Schwierigkeiten haben dazu geführt, dass man in der medizinischen Forschung den Begriff Gesundheit meist sehr viel eingeschränkter benutzt. Im Prinzip geht es hierbei primär um das Vorhandensein oder die Abwesenheit von physischen und psychischen Krankheiten. Betrachtet werden Krankheitslast, also das Auftreten von Erkrankungen in einer Bevölkerung, wie auch die Sterblichkeit durch einzelne Erkrankungen, die Gesamtsterblichkeit durch alle Erkrankungen zusammen genommen und schließlich auch die Lebenserwartung generell. Außerdem misst man Risikofaktoren, also Einflüsse, die nach dem Dosis-/Wirkungsprinzip die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Krankheiten erhöhen und Schutzfaktoren, die umgekehrt das Risiko mindern. Das macht die Epidemiologie.

Die Diagnosestellung von Krankheit oder Todesursachen bereitet den Epidemiologen einige Schwierigkeiten. Es kommt sehr darauf an, wer auf welche Weise nach welchem Kriterium eine Diagnose stellt. Es gibt erhebliche Abweichungsmöglichkeiten, die technologisch, aber auch schon kulturell bedingt sein können. So hat man beispielsweise in Japan nicht an Herzinfarkt zu sterben. Das ist unter der Würde. Hirninfarkt ist dagegen in Ordnung. Es stellt sich die Frage, welche Todesursache ein japanischer Arzt auf den Totenschein schreibt, wenn er dem Verstorbenen gewogen ist? Kann ein Arzt bei uns ohne Obduktion immer genau feststellen, woran ein Mensch gestorben ist?

Je einheitlicher die Kriterien und je weiter verbreitet standardisierte Verfahren in der Welt herangezogen werden, desto aussagefähiger wird das Messen. Die vielen Unsicherheiten haben jedenfalls dazu geführt, dass man in der Epidemiologie und in der klinischen Forschung als höchstes Kriterium, als entscheidende Begutachtungsgröße die Gesamtsterblichkeit heranzieht. Denn tot oder nicht tot, das lässt sich ziemlich eindeutig diagnostizieren.

Außerdem kommt hier bei allen Therapien immer die berechtigte Überlegung ins Spiel, ob eine bestimmte Anwendung in einem Bereich zwar klare Linderung oder Ausheilung bewirkt, aber gleichzeitig durch unerwünschte Nebenwirkungen in anderen Bereichen der Gesundheit schadet? Was nützt ein besonders deutlich gesenkter Blutzuckerspiegel, wenn die Patienten dafür vermehrt versterben? Was nützt eine Senkung der Herzinfarktrate, wenn bei den therapierten Patienten gleichzeitig die Krebshäufigkeit steigt? Am relevantesten für die Beurteilung einer präventiven oder therapeutischen Maßnahme ist deshalb die gesamte Sterblichkeit an allen Todesursachen, natürlich nur innerhalb eines definierten Zeitraumes betrachtet, denn sterben müssen wir bekanntlich alle einmal.

Wenn Sie sich jetzt Ihres Zieles bewusst geworden sind, darf ich Ihnen verkünden: Mehr Vitamin D und Sie können zumindest länger leben! Oder anders ausgedrückt: Wenn Sie jetzt sofort anfangen, sich um einen ordentlichen Vitamin-D-Status zu kümmern, werden Sie in den nächsten zehn Jahren eine geringere Wahrscheinlichkeit haben, das Zeitliche zu segnen, als wenn Sie so weitermachen wie bisher!

Eine kühne Behauptung? Nein, ich würde mich nicht so weit aus dem Fenster lehnen, hätten wir nicht eine Datenlage, die eine solche Vorhersage ermöglicht. Nach dieser dezidierten Aussage meinerseits liegt natürlich auch die Beweislast bei mir. Fangen wir also mit der Beweiskette an und zwar gleich hier in Deutschland.

Die LURIC-Studie. Inzwischen werden Sie diese bemerkenswerte Langzeitbeobachtung aus der Gegend um Ludwigshafen gewiss wiedererkennen; sie wurde in früheren Kapiteln ja schon öfter vorgestellt. Diese Studie wurde 1997 von Bernhard Winkelmann (Frankfurt), Bernhard Böhm (Ulm) und Winfried März (Heidelberg) begonnen. Zur Erinnerung: Untersucht wurden 3.300 Personen, die sich einer Herzuntersuchung unterzogen hatten und bei denen gleichzeitig der Vitamin-D-Status erhoben wurde. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer lag zu Beginn der Studie bei 62 Jahren. Ihr 25D-Spiegel betrug im Jahresmittel rund 17 ng/ml. Der durchschnittlich niedrigste 25D-Spiegel trat im März (12 ng/ml), der höchste im August (23 ng/ml) auf. Der Anteil an Teilnehmern mit niedrigem 25D-Spiegel war wie zu erwarten hoch: Annähernd zwei Drittel der Studienteilnehmer hatten Werte unterhalb von 20 ng/ml! Das ist vergleichbar mit dem schlechten Vitamin-D-Status in anderen westeuropäischen Ländern wie Frankreich und Italien. Ein geringer Prozentsatz der Teilnehmer, nämlich zwei Prozent, nahm Vitaminergänzungspräparate ein. Doch bei der in Deutschland üblichen, sehr niedrigen Dosierung war deren 25D-Spiegel im Schnitt mit 22 ng/ml auch nur geringfügig höher.

In den acht Jahren der Beobachtung traten 737 Todesfälle auf.01 Davon beruhten 63 Prozent auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 34 Prozent auf Krebs. Nur drei Prozent der Todesfälle konnte nicht zugeordnet werden. Um die Sterberate mit Vitamin D in Beziehung zu setzen, wurden sehr viele herkömmliche, aber auch neu entdeckte Risikofaktoren gemessen und in die Analyse mit einbezogen.02 Umso beeindruckender war das Ergebnis: Im Vergleich zu den Teilnehmern, die einen 25D-Spiegel von mindestens 24 ng/ml aufwiesen, hatten jene mit einem Wert zwischen 10 und 17 ng/ml ein um 53 Prozent erhöhtes und jene mit einem 25D-Spiegel von 6 bis 10 ng/ml ein um 108 Prozent erhöhtes Risiko frühzeitig zu versterben!

Da es sich um kardiologische Patienten handelte, verwundert es nicht, dass der Großteil der Todesfälle im Herz-Kreislauf-Bereich lag. Kein Wunder auch, dass ein niedriger 25D-Wert mit einer Reihe von modernen Risikomarkern für Herz-Kreislauf-Erkrankungen korrelierte.03 Aber besonders erstaunlich: Wer einen sehr niedrigen 25D-Spiegel hatte, bei dem war die Gesamtsterblichkeit sogar unabhängig vom Schweregrad der Herzgefäßerkrankung erhöht. Ja, das sind beeindruckende Ergebnisse. Nur leider erfährt man davon als Normalsterblicher nichts. Den Publikumsmedien war das keine einzige große Schlagzeile wert.

Diese deutsch-österreichische Koproduktion erhielt gewichtige Unterstützung aus den USA. Dort läuft seit vielen Jahren das große und hier auch schon häufig zitierte Gesundheitssurvey NHANES. Im Jahr 2008 hat man daraus faszinierende Daten zur Gesamtsterblichkeit analysiert und veröffentlicht.04 Grundlage war eine Ernährungs- und Blutwerterhebung an 13.300 repräsentativ ausgesuchten erwachsenen Amerikanerinnen und Amerikanern während der Jahre 1988 bis 1994. Nach durchschnittlich neun Jahren Beobachtungszeit hat man eine Todesfallstatistik aufgestellt. Insgesamt waren 806 Personen verstorben, davon 777 an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei näherem Betrachten der Daten zeigte sich, dass Teilnehmer mit einem 25D-Spiegel unter 18 ng/ml eine um 28 Prozent höhere Sterbewahrscheinlichkeit hatten, als solche mit einem Wert über 32 ng/dl. Die niedrigste Sterblichkeit lag im Bereich von 40 bis 50 ng/ml 25D im Blut. Dieser Schutzeffekt war unabhängig von allen bekannten Risikofaktoren. Die Wissenschaftler weisen auch ausdrücklich darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Status und Sterblichkeit besonders stark bei den Teilnehmern war, die noch keinerlei Anzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck oder Diabetes mellitus hatten. Aus dieser Beobachtung schlossen sie, dass Vitamin D vor allem präventiv wirkt – also auch schon bevor man Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder andere Zivilisationskrankheiten entwickelt.

Wie immer bei der Epidemiologie stellt sich die Frage: Sind diese Beobachtungen nur rechnerischer oder ursächlicher Natur? Ist das Vitamin D für diesen Schutz direkt verantwortlich? Für eine Beantwortung können nur placebokontrollierte Studien mit entsprechenden Vitamin-D-Gaben herangezogen werden. Erfreulicherweise liegen tatsächlich schon einige dieser Studien vor. Die größte ist die WHI-Studie, die hier auch schon mehrfach erwähnte Women’s Health Initiative, bei der 36.000 Frauen sieben Jahre lang entweder 1.000 Milligramm Calcium oder 1.000 Milligramm Calcium plus 400 I. E. Vitamin D oder Placebo erhielten.05 Im Frühjahr 2009 wurden die ersten Daten zur Gesamtsterblichkeit veröffentlicht – mit einem Trend, der unsere Annahmen deutlich bestätigt.

Mit den in der WHI-Studie geplanten 400 I. E. Vitamin D pro Tag kann man kaum etwas am Vitamin-D-Status verbessern, das hatten wir in den vorhergehenden Kapiteln bereits ausgiebig diskutiert. Außerdem tendieren Probanden ganz allgemein dazu, die zu testenden Medikamente nicht zuverlässig einzunehmen. Bei der WHI hat man das analysiert: Es zeigte sich, dass 57 Prozent der Teilnehmerinnen aus dem Supplement und der natürlichen Nahrung sogar noch weniger als 400 I. E. pro Tag zusammen aufnahmen. Im Durchschnitt waren es nur 365 I. E. pro Tag. Ein weiteres großes Manko war, dass bei knapp 94 Prozent der Teilnehmerinnen der 25D-Spiegel nicht gemessen wurde! So kann man die Beziehung nur zwischen den geschätzten Zufuhrmengen und der beobachteten Sterblichkeit analysieren. Dennoch ergab selbst diese placebokontrollierte Studie einen merklichen Effekt, der unabhängig von der Calciumsupplementation war, wie die Wissenschaftler ermitteln konnten: Die Sterblichkeit sank insgesamt um neun Prozent – und das bei dieser mickrigen Vitamin-D-Gabe! Wenn man nach Alter differenzierte, ergab sich bei den Teilnehmerinnen unter 70 Jahren eine Senkung der Sterblichkeit um elf Prozent und bei den älteren um fünf Prozent. Wenn man jene Probandinnen aus der Analyse ausschloss, die nach eigener Auskunft bei der Supplementeinnahme unzuverlässig waren, ergab sich eine Senkung der Sterblichkeit um 13 Prozent, wobei vor allem Krebs und Hirninfarkt zurückgedrängt wurden. Allerdings verfehlen alle diese Angaben hauchdünn die statistische Signifikanz. Das liegt wohl daran, dass es für die große Teilnehmerzahl noch zu wenige Todesfälle gab. Deshalb ist eine weitere Unteranalyse hervorzuheben, die absolut signifikant, das heißt statistisch eindeutig belegbar ausging: Bei einer Minderheit der Teilnehmerinnen, genau genommen bei 2.285 Frauen, hatte man auch den 25D-Spiegel im Blut gemessen. Diese objektive Maßzahl wurde mit der Sterblichkeit in Beziehung gesetzt. Dabei kam heraus, dass die Sterbewahrscheinlichkeit pro 12 ng/ml höherem 25D-Blutwert um 20 Prozent sank! Das lässt aufhorchen.

Was macht man in der Medizinstatistik, wenn man wegen zu kleiner Probandenzahlen oder zu kurzer Laufzeit der Untersuchung noch zu wenige Fälle hat, aus denen eine aussagekräftige Statistik errechnet werden kann? Man sucht sich ähnliche Studien zur gleichen Fragestellung und packt sie und ihre Ergebnisse in einen Datenpool zusammen. Dann hat man eine größere Basis und mehr zu überprüfende Endpunkte und kann darauf hoffen, ein eindeutigeres Ergebnis zu erhalten. Solch ein Unterfangen nennt sich Metaanalyse. Wenn man solch eine Metaanalyse von mehreren doppelblinden placebokontrollierten Medikamentenstudien erstellt, hat das Ergebnis eine besonders hohe Aussagekraft. Genau genommen hat es die höchste Aussagekraft schlechthin. In der evidenzbasierten Medizin ist dies der absolute Beleg für einen ursächlichen Zusammenhang – der Goldstandard bei der Beweisführung.

Solch eine Metaanalyse wurde im September 2007 von zwei Wissenschaftlern aus Europa durchgeführt.06 Philippe Autier von der International Agency for Research on Cancer in Lyon (Frankreich) und Sara Gandini vom European Institute of Oncology in Mailand (Italien) fassten die Ergebnisse von 18 voneinander unabhängigen Supplementstudien mit Vitamin D zusammen. Die meisten hatten allerdings nicht das Kriterium Sterblichkeit zur Überprüfung angesetzt, sondern Knochengesundheit. Insgesamt umfasste man damit 57.311 Probanden und eine durchschnittliche Behandlungszeit von sechs Jahren. In diesem Zeitraum waren insgesamt 4.777 Todesfälle eingetreten. Die niedrigste gegebene Vitamin-D-Dosis betrug 300 I. E. und die höchste 2.000 I. E. pro Tag. Die meisten Studien lagen mit ihrer Dosierung zwischen 400 und 800 I. E. Der Mittelwert aus allen Studien betrug 528 I. E. Vitamin D als Tagesdosis. Was kam dabei heraus?

Die Gesamtsterblichkeit sank in der Vitamin-D-Gruppe im Vergleich zu Placebo um sieben Prozent – und das statistisch signifikant! Als die Wissenschaftler nur die zwölf besten doppelblind durchgeführten Studien analysierten, fand man eine signifikante Senkung der Sterblichkeit um acht Prozent! Erscheint Ihnen das gering?

Dieses Ergebnis muss man relativieren. Man muss berücksichtigen, dass bei den meisten in der Metaanalyse eingeschlossenen Studien die Vitamin-D-Dosis gering war. In neun Studien hatte man die 25D-Spiegel vor und nach der Vitamin-D-Gabe dokumentiert. Nur in vier der neun Studien erreichte man den anzustrebenden Mindestspiegel von 30 ng/ml. Hier darf also berechtigterweise spekuliert werden, um wie viel besser der Effekt, das heißt um wie viel stärker die Senkung der Sterblichkeit gewesen wäre, wenn man höher dosiert und einen besseren Vitamin-D-Status erreicht hätte. Andererseits lässt dieses Ergebnis den eindeutigen Schluss zu, dass Vitamin-D-Gaben in dieser Größenordnung erstens nicht ausreichen, um einen sinnvollen Vitamin-D-Status zu erreichen und zweitens Dosierungen in einer Größenordnung bis zu 2.000 I. E. keine gesundheitsrelevanten Nebenwirkungen auslösen, die die Vorteile insgesamt zunichte machten. Mehr Vitamin D – weniger Todesrisiko!

Ernährungsempfehlungen gibt es wie Sand am Meer. Die meisten davon stellen sich bei kritischer Prüfung als nicht eindeutig belegt heraus und sind deshalb zweifelhaft. Bei Vitamin D haben wir eine bessere und einheitlichere Datenlage als bei allen anderen Ernährungsfaktoren, die gemeinhin empfohlen werden – vielleicht mit einer Ausnahme, den langkettigen hoch ungesättigten Omega-3-Fettsäuren, für die es ebenfalls eine akzeptable Datenlage gibt. Interessanterweise kommen beide meist gemeinsam in den wichtigsten tierischen Vitamin-D-Quellen vor. Ein Zufall?

Buchbesprechungen Heilkraft D

Weil es neue Erkenntnisse über Vitamin D liefert: BUCH-Tipp am 15.8.2009

5-Sterne-Buch bei amazon.de

„Faktenreich“, „lesenswert“, „wissenschaftlich fundiert“, „verständlich“, „gut recherchiert“, mit „Unterhaltungswert“

Presse über das Buch Heilkraft D

Heilkraft D auf aerztezeitung.de

„Wir sind zu wenig an der Sonne“, resümmiert aerztezeitung.de, empfiehlt die zusätzliche Vitamin-D-Einnahme im Winter und Dr. Nicolai Worms viel diskutierten Titel als „laienverständliches Buch, das auch vielen Ärzten Neues und Diskussionswürdiges zum Thema Vitamin D bieten dürfte.“ Artikel vom 26.10.2009

Heilkraft D in der Gesundheit

„Ein spannendes Buch, das sprichwörtlich Licht ins Dunkel bringt und mit Sonnenhysterie, Hautkrebslüge und Lichtschutzfalle aufräumt.“ Artikel vom 1.9.2009

Heilkraft D im Stern

„Zu wenig Sonne macht krank“, schreibt auch der Stern, bezieht sich auf den heftigen Streit unter Wissenschaftlern und verweist auf Nicolai Worms fundiertes Vitamin-D-Buch. Artikel vom 21.8.2009

Titelthema in der tz München

Sonnen-Special am (bisher) heißesten Tag des Jahres: „Die Heilkraft der Sonne“ titelt die tz und lässt Dr. Nicolai Worm in seiner „Herzensangelegenheit“ Vitamin D ausführlich zu Wort kommen: Artikel vom 20.08.09

Nicolai Worm im Synlab-Interview

Der Labordienstleister Synlab befragt den Ernährungswissenschaftler in der Unternehmens- und Ärztezeitschrift Labor & Werte. Wie wirkt das „Multi-Vitamin“ D, wann ist man unterversort, und welche Dosierung ist korrekt? Artikel in der Ausgabe 4/2009

Heilkraft D in der Glücksrevue

Warum Vitamin-D-Mangel zu Osteoporose führen kann und wie man ein ganzes Leben lang starke Knochen behält: Artikel vom 12.8.2009

Heilkraft D in der Saarbrücker Zeitung

Die Wissenschaft entdeckt eines der drängendsten Gesundheitsprobleme unserer Zeit: Ein Mangel an Vitamin D macht „schlapp und krank“. Wie man dem vorbeugt

Heilkraft D in der Hörzu

Über 1.000 Gene werden von Vitamin D beeinflusst. Das Sonnenvitamin regt unser Abwehrsystem dazu an, körpereigene Antibiotika gegen Bakterien zu produzieren

Nicolai Worm bei Radio 1

Pflanzen ohne Licht gehen ein, Menschen auch. Wie wichtig Vitamin D ist, wogegen es hilft und wo man es herbekommt, wenn die Sonne nicht scheint – darüber spricht Nicolai Worm in der Sendung „Das schöne Leben“: Live-Interview am 16.06.09 im Rundfunk Berlin Brandenburg

Heilkraft D auf MensHealth.de

Dosiertes Sonnenbaden ohne Sonnnencreme schützt vor Herz- und Gefäßkrankheiten, vor Diabetes und Krebs: Artikel vom 7.7.2009

Heilkraft D in den Stuttgarter Nachrichten

Wie viel Sonne tut uns gut? Beim Bräunen kommt es aufs richtige Maß an – UV-Strahlen dienen und schaden der Gesundheit: Artikel vom 29.6.09

Literaturverzeichnis

Hier sind alle verwendeten Literaturstellen für das Buch „Heilkraft D“ in alphabetischer Reihenfolge gelistet.
Download: Literaturverzeichnis-Heilkraft-D.pdf

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